Das Grundkonzept der 1x1 Bilder ist der bemalte Hintergrund. Dazu werden ausgefallene, besondere Papiere oder andere Materialien verwendet die eigentlich zu schade sind zum bemalen. Daher bleibt ein Teil des Hintergrunds immer sichtbar. Das hat den Vorteil, das alte, besondere Papiere gezeigt werden anstatt sie in irgend einem Schrank versauern zu lassen. Die bisher verwendeten Materialien sind u.a.:
- Zeitschriften „Film & Frau“ von 1955, 1956 und 1957.
- Leipziger humoristische Blätter von 1901, 1902 und 1904.
- Ausweise von bereits verstorbenen Personen der
Sowjetunion.
- HörZu von 1959
- Wurstrezepturen von meinem Vater aus dem Jahr 1961
- Zeitschriften LIFE aus den 60er Jahren
- Historische Bücher wie DER VOGELFLUG von 1910
- Zeitschrift MAD aus dem Jahr 1982
1 METER x 1 METER
Jedes meiner Bilder hat ein Format von 1 x 1 Meter und umfasst eine Fläche von 1 Quadratmeter. Dieses Format empfinde ich als ideal – es bietet genügend Raum für Details und lässt sich hervorragend kombinieren. Ob 2, 3 oder 6 Bilder nebeneinander – die Werke ergänzen sich harmonisch und entfalten zusammen eine besondere Wirkung.
Als Untergrund dienen alte Zeitschriften oder Bücher aus den Jahren 1900 bis 1960. Die Motive stehen stets in Beziehung zu ihrem Untergrund. Für die Werke 08 „Buchhalter“ und 09 „Geschäftsmann“ habe ich beispielsweise Karikaturen aus Zeitungen von 1900 verwendet. Viele meiner Bilder basieren auf Ausgaben der Zeitschrift „Film & Frau“ aus den Jahren ab 1949.
In der Coronazeit habe ich wieder begonnen zu malen – dieses Mal auf 1 x 1 Meter großen Bildern. Die ersten Werke entstanden mit Kreide auf alter Leinwand. Über die Zeit habe ich verschiedene Techniken ausprobiert und seit Ostern 2024, ab dem Bild 42, meinen Stil gefunden: Ich zeichne Portraits digital mit dem Stift und drucke diese anschließend mit einer speziell von mir weiterentwickelten Technik auf Leinwand. Dabei wird die Farbe Weiß in Transparenz umgewandelt, sodass der Untergrund stets Teil des Werks bleibt.
Die Druckvorlagen entstehen in einem spannenden Prozess, bei dem ich KI-gestützte Entwürfe mit handgezeichneten Elementen auf dem iPad kombiniere. Jedes Werk erzählt so nicht nur die Geschichte der abgebildeten Person, sondern auch die der Vergangenheit, die sich in den alten Zeitschriften und Büchern widerspiegelt. [Bert Mutsaers]
Bild Ideen
// hell = transparenz
Nach dem Motto „Fake it until you make it“ male ich seit vielen Jahren – bevorzugt Comics und PopArt. Bis zur Coronazeit war das jedoch meist eine Reproduktion bestehender Werke. Im April 2021 kam mir die Idee, das Bildformat 1x1 Meter zu verwenden. Dieses Format hat mich sofort überzeugt: Es wirkt großartig an der Wand, lässt sich wunderbar mit 3, 6 oder 9 Bildern kombinieren und passt gerade noch in einen Kofferraum – praktisch für den Transport.
Ein weiteres wichtiges Element der 1x1 Bilder ist der breite, etwa 5 cm starke Rahmen, der sich aktiv mitgestalten lässt. Das verleiht den Werken mehr Tiefe und Präsenz.
Parallel entstand die Idee, alte Zeitungen als Untergrund zu nutzen – Materialien, die bei mir schon viele Jahre lagerten. Ich war überrascht, wie sich das Papier nach dem Trocknen straff zusammenzieht und eine ideale Malfläche bietet. Die dabei entstehenden Falten verleihen den Bildern einen einzigartigen „Vintage-Touch“.
Mit der Zeit erweiterte ich das Konzept um weitere Untergründe: Ausweise, alte Handaufzeichnungen und Rezepturen meines Vaters, die noch im Tresor lagen. Jedes Bild ist ein Experiment und eine Weiterentwicklung – ich verändere und verbessere bewusst Details, damit es spannend bleibt und kein Werk dem anderen gleicht. Die von mir weiterentwickelte Drucktechnik auf die ich ab Bild 42 gekommen bin finde ich deshalb interessant weil weiße Farbe durchsichtig wird ebenso wie helleFarbtöne. Um so dunkler die Farbtöne um so deckender wird der Effekt. Dadurch ist es immer wieder ein Zufall, welche Untergründe im Bild erscheinen und welche nicht.
Entwicklung//
In 5 Phasen
Was als Experiment begann, wurde über die Jahre zu einem kontinuierlichen Entwicklungsprozess. Konstant geblieben ist dabei ein Element: das quadratische Format von 1 x 1 Meter. Es bildet bis heute den ruhigen Rahmen für inhaltliche, technische und stilistische Veränderungen. Die folgenden fünf Bildtafeln – jeweils bestehend aus sechs Arbeiten – zeigen diese Entwicklung in klar voneinander unterscheidbaren Stufen.
1 – Der Anfang: Kreide, Fläche, Intuition
Die erste Phase ist geprägt von Kreidearbeiten auf klassischem Untergrund. Der Fokus lag weniger auf Motiven als auf dem Prozess selbst: Linien, Flächen und Kontraste entstanden intuitiv. Fehler blieben sichtbar, Korrekturen waren Teil des Bildes. Diese Werke markieren den Einstieg in das großformatige Arbeiten und den bewussten Umgang mit Reduktion, Materialität und Geste.
2 – Neu Untergründe & Handdruckverfahren
Fantasiepersonen, abstrahierte Charaktere Versuche mit Persönlichkeiten rücken in den Mittelpunkt. Erste Versuche mit dem Handdruckverfahren und besonderen Untergründen.
3 – Stilfindung und Farbvariation
Diese Phase ist von Suche und Variation geprägt. Unterschiedliche Techniken, Materialien und Farbwelten werden kombiniert. Erkenntnisse: Große Portraits wirken für mich am besten. Nicht zu intensive Farben. Genaue Planung wie der Druck auf dem Untergrund platziert wird. Im Gesicht sollten keine Gegenstände und Fotos platziert werden. Siehe Beispiel Gesicht von Tante Eka.
4 – Portraits, Vintage, wenig Farben
Mit der vierten Stufe verlagert sich der Fokus auf von der KI erzeugte Persönlichkeiten. Porträts werden zum zentralen Motiv. Der Hintergrund wird speziell für das Portrait ausgesucht und besser Platziert. Bereiche Außerhalb des Portraits bleiben Transparent.
5 – Persönlichkeiten
In der aktuellen Phase kommt eine dünne Holzplatte als Bildträger zum Einsatz. Sie ermöglicht einen präziseren Kunstdruck und eine neue technische Klarheit. Die Porträts werden digital vorbereitet, anschließend weiterbearbeitet und übermalt. Inhaltlich stehen prägende Persönlichkeiten im Fokus, die eine besondere Geschichte haben und zu denen ich einen besonderen, alten bzw. passenden Untergrund auftreiben konnte. Damit die Personen freundlich und lächelnd aussehen sind hunderte von KI-Pormpts generiert worden. Anschließend werden die Bilder mit einem Malstift digital nachbearbeitet bevor sie gedruckt werden.
Die fünf Bildtafeln zeigen keinen linearen Fortschritt, sondern einen offenen Entwicklungsprozess. Jede Phase baut auf der vorherigen auf, ohne sie zu ersetzen. Das konstante Format von 1 x 1 Meter fungiert dabei als verbindendes Element. Die Drucktechnik wird immer kontrollierbarer und exakter. Portraits gefallen mir aktuell am besten. Dazu kommt das es viel Spaß macht sich im Vorfeld intensiv in der Recherche mit den Persönlichkeiten zu beschäftigen. Für das Portrait von Otto Lilienthal bin ich extra am 14. Juli 2023 selbst nach Anklam geflogen um mir weitere Informationen im Lilienthalmuseum zu besorgen. Übrigens in dem Wohnhaus der Lilienthals, in Anklam in der Peenstraße 35, ist jetzt witzigerweise die Metzgerei Brüsch. Leider hatten sie dort keine Bedford-Saltufo. Dafür habe ich mir deren Spezialität Mettwurst im Ring gekauft.